Kyudo Hildesheim - Innerste Dojo e.V.


Kyudo

Kyudo (jap., kyu = Bogen, do = Weg, deutsch: Weg des Bogens) ist eine japanische Version des Bogenschießens.



Geschichte

Entwickelt hat sie sich aus den Kriegskünsten des japanischen Adels. Die ersten Zeugnisse für den Gebrauch des Bogens reichen dabei bis in das 4. Jahrhundert nach Christus zurück. Kyudo ist damit die älteste aller japanischen Kampfkünste. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die vielen verschiedenen Schulen vereinheitlicht und zwei vorherrschende Stile entwickelt: Der Shomen-Stil, bei dem Wert auf Eleganz gelegt wird und der Shamen-Stil, dessen Schwerpunkt in der Schießtechnik liegt. Die Anzahl an Schulen und Stilen ist groß, und auf Grund der gewachsenen Strukturen lässt sich ein einheitliches Bild nur schwer skizzieren. Die verschiedenen Schulen haben unterschiedliche Schwerpunkte (z. B. Dan Grade, Meditation, Technik, Zeremonie, Wettkämpfe, usw.).

Kyudo wird oft mit Zen-Bogenschießen gleichgesetzt, dies ist nur teilweise richtig. Die unterschiedlichen Schulen betonen verschiedene Inhalte. Kyudo ist Bogenschießen und damit keine reine Meditationsübung, wenngleich in manchen Kyudo Stilen dem meditativen Aspekt ein hohe Rolle zukommt.

Im 16. Jahrhundert verdrängte die Einführung der Feuerwaffen allmählich den Bogen als Kriegswaffe in Japan, jedoch behielt er als ein Instrument für Jagd und Sport und besonders in der Gegenwart als Mittel zur persönlichen Weiterentwicklung seine Bedeutung.



Besonderheiten

Neben der besonderen Übungsmethodik ist vor allem der Bogen auffällig unterschiedlich gegenüber westlichen Sportbögen. So ist der Bogen asymmetrisch geformt, der obere Wurfarm ist deutlich länger als der untere. Der verkürzte untere Arm ermöglicht es, den Bogen auch im Knien zu schießen. Englische Langbogenschützen können dies nicht. Die Theorie, dass der untere Wurfarm verkürzt wurde, um ein Schießen vom Pferd zu erleichtern, ist nicht zutreffend, denn die asymmetrische Form bestand bereits, bevor Pferde überhaupt in Japan eingeführt wurden. Es ist eher wohl anzunehmen, dass bei der Anfertigung eines Bogen aus einem dünneren Stamm das unregelmäßig dicke Holz unterhalb der Mitte gegriffen werden musste, um das "Gleichgewicht" des Bogens - unten schwerer, oben leichter - zu erhalten. Später wurde diese Form beibehalten, obwohl sich die Composit-Bauweise (aus China übernommen) durchgesetzt hat. Der Bogen hat weder Zieleinrichtung noch Pfeilauflage. Der Pfeil wird auf der Bogenkante rechts außen aufgelegt, also auf der dem Schützen abgewandten Daumenseite des Bogens; die Sehne wird mit Hilfe eines maßgefertigten Schießhandschuhs mit der Sehnen-Grube an diesem Daumen gezogen. Neben dem eigentlichen Schießen werden eine Reihe zeremonieller Bewegungsformen in traditioneller Kleidung Hakama und Keiko-Gi, bei fortgeschrittenene Schützen auch im Kimono geübt. Einen wichtigen Teil des Trainings nimmt das Üben der Bewegungsabläufe vor dem Makiwara ein. Dabei wird aus nur 2 - 3 m Entfernung auf ein Reisstrohbündel geschossen.



Schusstechnik

Der Pfeil wird bei einer Bogenstärke zwischen 13 - 20 kg horizontal auf das 28 Meter entfernte Ziel, das Mato (Durchmesser 36 cm), abgeschossen. Die asymmetrische Form des Bogens und das Anliegen des Pfeils an der rechten Seite würden den Pfeil beim Lösen nach rechts oben ablenken. Um dieses auszugleichen, muss der Bogen innerhalb einer vierhundertstel Sekunde vor dem Lösen des Pfeils von der Sehne gedreht und geschraubt werden. In Koordination mit den Bewegungen der linken Hand muss die rechte Hand mit dem Handschuh eingedreht werden, um die Sehnengrube freizugeben. Die Entfernung von 28 Metern und die Anordnung der Mato-Mitte knapp 30 Zentimeter über dem Boden geht auf die mittelalterliche Schlachtordnung zurück. Die Bogenschützen knieten etwa 28 Meter voneinander entfernt und versuchten, den durch Lederpanzer weniger geschützen Bereich des Unterleib des Gegenübers zu treffen.

Die Art des Schießens variiert je nach Schule und Stilrichtung. Als größere Schulen neuerer Zeit haben sich Heki-Ryu, Ogasawara-Ryu sowie Honda-Ryu durchgesetzt. Während in Japan Shomen (zentral ausgestellt)geschossen wird, findet in Deutschland bzw. Europa hauptsächlich der Shamen-Stil, wo nach Links ausgestellt wird, Anhänger. Die Hauptströmung ist hier Heki-Ryu Insai-Ha, auf den großen Einfluss Genshiro Inagaki's zurückgehend.


Quelle: de.wikipedia.org